Wenn Sie kein Niederländisch sprechen, geht es Ihnen wahrscheinlich so, wie den meisten Deutschen: Sie denken, das „meer“ in „IJsselmeer“ steht für das deutsche „Meer“. Stimmt aber nicht. Im Niederländischen ist ein „meer“ ein See. Und um die Sprachverwirrung komplett zu machen: Unser deutsches Meer heißt in den Niederlanden „zee“. Alles klar? Dann sind Sie jetzt bereit für unsere Lektion übers IJsselmeer.

Wer aufgepasst hat, weiß nämlich jetzt, dass das IJsselmeer kein Meer, sondern ein See ist. Der größte See der Niederlande, um genau zu sein. Aber das war nicht immer so. Noch bis ins 20. Jahrhundert hieß das IJsselmeer nämlich Zuiderzee und war mit der Nordsee verbunden.

Wir haben fünf spannende Fakten über das IJsselmeer gesammelt, die Sie zum Kenner dieses erstaunlichen Gewässers machen, das zugleich ein beeindruckendes Stück Natur und niederländischer Ingenieurskunst ist:

 

1. Vom See zum Meer und dann wieder zum See

Na was denn jetzt? Also: Wo heute das IJsselmeer liegt, gab es schon in der Römerzeit ein Gewässer. Der römische Geograf Pomponius Mela bezeichnete diesen See im Jahr 44 v. Chr. als Lacus Flevo. Eine Verbindung zum offenen Meer gab es damals nicht.

Nachdem Stürme und Fluten über Jahrhunderte an der niederländischen Küste gezehrt hatten, überströmte die Nordsee bei der Luciaflut vom 14. Dezember 1287 das letzte Stück Land und füllte den See mit Salzwasser: Die Geburtsstunde der Zuiderzee – und der niederländischen Seefahrtgeschichte. Der neu entstandene Meeresarm brachte Städten wie Amsterdam und Hoorn neue Seehandelsrouten. Aber auch immer wieder verheerende Sturmfluten, die für Elend, Tod und Zerstörung sorgten.

Nach über 600 Jahren und der Flutkatastrophe von 1916 beschloss das Parlament den Bau des Abschlussdeiches (Afsluitdijk). Fünf Jahre dauerte es, bis der 32 km lange Damm im Jahre 1932 fertiggestellt wurde. Der Deich machte die Zuiderzee wieder zum Süßwassersee, denn die Wasserzufuhr von der Nordsee wurde fast vollständig unterbrochen. Das neu entstandene Gewässer bekam den Namen Ijsselmeer – nach dem Fluss IJssel, der in den See mündet.

 

2. Die Idee für den IJsselmeerdeich ist über 350 Jahre alt

Die Sturmfluten rund um die Zuiderzee richteten im Laufe der Jahrhunderte so viel Schaden an, dass die Idee eines Deiches, der die Bucht abschließen sollte, viele Anhänger hatte. Einer der frühsten dokumentierten Pläne für einen solchen Deich kommt aus dem Jahr 1667.

Aber es sollte bis ins 19. Jahrhundert dauern, bis diese Strategie zum Schutz gegen Flutkatastrophen dank des technologischen Fortschrittes wirklich ernsthaft in Erwägung gezogen wurde. Der größte Befürworter dieses Deiches war der Ingenieur und Politiker Cornelis Lely, dessen Plan aus dem Jahr 1891 schließlich in die Tat umgesetzt wurde.

Die Pläne für die so genannten Zuiderzee-Werke von Cornelis Lely umfassten nicht nur den Bau des Afsluitdijks, sondern auch die Trockenlegung großer Polderflächen. Die Fertigstellung seiner Pläne hat Lely nicht mehr erlebt: Es dauerte über 50 Jahre, von 1920 bis 1975, bis die abgeschlossen wurden. Danach waren die Niederländer nicht nur um einen über 1.000 Quadratkilometer großen See, sondern auch um eine komplette Provinz reicher.


Statue von Corenlis Lely

 

3. Das IJsselmeer hat wirklich ALLES verändert

Die erfolgreiche Vermeidung von Flutkatastropen war nicht das einzige Ergebnis, dass die Schaffung des Ijsselmeeres zu Wege gebracht hat. Das Austauschen einer ungestümen Meeresbucht gegen einen sanft plätschernden See hatte noch viel weitreichende Konsequenzen.

Das gezähmte Gewässer ließ sich viel einfacher trockenlegen. So entstand eine ganz neue Provinz mit Städten, Bauernhöfen, Straßen, Schienennetz und jeder Menge landwirtschaftlicher Flächen. Das IJsselmeer selbst bildete ein riesiges Süßwasserreservoir für die Städte ebenso wie für die Bauern.

Auf der anderen Seite wurden dutzende ehemalige Küstenstädte wie Volendam und Monnickendam, deren Bewohner bisher vom Fischfang und von der Seefahrt gelebt hatten, von ihrer Lebensader abgeschnitten. Die früheren Inseln Urk und Schokland wurden sogar Teil des neu gewonnenen Festlandes!

Die reiche Seefahrervergangenheit der Zuiderzee ist in den vielen ehemaligen Hafenstädten, Fischerdörfern und im faszinierenden Zuiderzee-Museum in Enkhuizen bis heute sichtbar geblieben.


Historischer Hafen von Spakenburg

4. Die Niederländer setzen noch eins drauf

Nachdem er über 87 Jahre lang seine treuen Dienst als Schutzwall gegen Überflutungen geleistet hat, bekommt der Abschlussdeich jetzt eine neue „Etage“. Er wird renoviert und soll damit auf eine Zukunft mit steigenden Meeresspiegeln und extremeren Wetterbedingungen vorbereitet werden. Die Bauarbeiten haben Ende 2018 begonnen. Der Deich wird verstärkt und um ungefähr 2 Meter erhöht.

Genau wie damals, als der Deich gebaut wurde, ist auch dieser Ausbau wieder eine Meisterleistung moderner Ingenieurskunst. Heutzutage steht das Thema Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Es wird mit nachhaltig gestalteten Betonsteinen gebaut, die Pumpen sind solarbetrieben und es werden fischfreundliche Schleusen eingebaut. Die erwartete Fertigstellung ist 2022.


Zukünftiger Abschlussdeich zwischen Den Over und Zurich

 

5. There’s something fishy going on…

Wanderfische benötigen Süß- und Meerwasser für ihren Lebenszyklus. Deiche wie der Afsluitdijk machen die Wanderung vom Meer in die Flüsse aber praktisch unmöglich. Ein wichtiger Grund, warum diese Fischarten immer seltener werden.

Heute liegen Millionen von Wanderfischen im Wattenmeer und warten wie die Surfer auf die Schleusen. Sie riechen das Süßwasser und wollen in diese Richtung schwimmen. Aber die Strömung an den Schleusen ist normalerweise so stark, dass die Wanderfische nicht dagegen anschwimmen können. Ein Fischmigrationsfluss soll Abhilfe schaffen. Durch diese permanente Öffnung im Afsluitdijk können Wanderfische wie Aale, Lachse und Forellen zur Paarung wieder frei vom Salzwasser ins Süßwasser schwimmen.

Entdecken Sie die Schönheit des Ijsselmeers selbst!
Bei unseren Rad- und Schiffsreisen können Sie die grüne Küste, die hübschen alten Fischerdörfer, das Zuiderzeemuseum und den Afsluitdijk selbst erkunden!

Bilder 1,3,4,5 siehe: https://beeldbank.rws.nl/

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